NHL Quoten 2025/26 – Quotenschlüssel, Marge und Vergleich mit Fußball
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Wie eine NHL-Quote tatsächlich zustande kommt
Als ich vor neun Jahren anfing, mich mit NHL-Quoten zu beschäftigen, hatte ich die naive Vorstellung, ein Anbieter rechne jeden Abend die Form beider Teams gegen die Goalie-Statistik und werfe dann eine Zahl aus. Die Realität ist prosaischer und interessanter zugleich. Die meisten Anbieter kaufen Preisdaten ein, passen sie an die eigene Risikotoleranz an und beobachten dann, wie die Wettmasse in den Stunden vor dem Anspielen die Linie verschiebt. Was du am Ende als „NHL-Quote“ auf dem Bildschirm siehst, ist kein Orakel, sondern ein ständig bewegter Mittelwert zwischen Modell und Marktgefühl.
Und genau hier entsteht der Teil, den ich in diesem Text aufdröseln möchte: der Quotenschlüssel. Er ist die Zahl, die darüber entscheidet, ob ein Anbieter dir fair bezahlt oder ob er sich einen überdurchschnittlich großen Anteil behält. Im NHL-Regularprogramm liegt der durchschnittliche Quotenschlüssel bei 95 bis 96 Prozent, in den Playoffs tendiert er leicht nach oben. Bei europäischen Fußball-Nebenmärkten sind typischerweise nur 88 bis 90 Prozent üblich – ein struktureller Nachteil, den viele Fußballwetter nicht einmal registrieren. Für Eishockey-Fans ist das eine gute Nachricht, aber eben nur, wenn man weiß, wie man diese Zahl aus einer Quote ausrechnet.
Ich zeige dir in diesem Text den kompletten Weg vom Decimal-Preis zur impliziten Wahrscheinlichkeit, den Unterschied zwischen Regular Season und Playoffs, die Bewegung der Live-Linie und am Ende einen konkreten Durchgang an einem echten Beispielspiel. Der Zweck ist nicht, dir beizubringen, wie du Buchmacher schlägst – das ist schwer, und wer dir das in zehn Absätzen verspricht, lügt. Der Zweck ist, dass du beim nächsten Blick auf eine Quote erkennst, ob du gerade bei einem der guten Anbieter bist oder bei einem der langsameren. Für den breiteren Kontext – warum NHL in Deutschland überhaupt ein attraktiver Markt ist – verweise ich auf meinen Überblick zu NHL Wetten im deutschen Markt 2025/26.
Quotenschlüssel berechnen: von Decimal zu Implied Probability
Ich erinnere mich an einen Abend in einer Sportsbar in Hamburg, an dem ein Bekannter mir erklärt hat, seine 2,10er-Quote bedeute „ungefähr 50 Prozent Chance“. Er lag daneben, und zwar messbar. 2,10 heißt nicht 50 Prozent, sondern 47,6 Prozent. Die Differenz zwischen dem, was viele Wetter grob schätzen, und dem, was die Quote tatsächlich sagt, ist der ganze Grund, warum Quotenschlüssel existieren – und der ganze Grund, warum ich ab jetzt mit dir kurz rechne.
Die Formel ist erbarmungslos simpel. Die implizite Wahrscheinlichkeit einer Decimal-Quote bekommst du, indem du 1 durch die Quote teilst. Eine 2,00 entspricht 50 Prozent. Eine 1,50 entspricht 66,7 Prozent. Eine 3,00 entspricht 33,3 Prozent. Das funktioniert für jede einzelne Quote in jedem Markt, und es ist das einzige Werkzeug, das du brauchst, um einen Buchmacher ehrlich zu bewerten.
Der Quotenschlüssel – oder „Book“ im Fachjargon – ist der nächste Schritt. Nimm eine NHL-Moneyline mit zwei möglichen Ausgängen: Heim 1,85, Auswärts 1,95. Die impliziten Wahrscheinlichkeiten sind 54,05 Prozent und 51,28 Prozent. Zusammen ergibt das 105,33 Prozent. Das Überhängende, die 5,33 Prozent, ist der „Overround“ des Anbieters – der Teil, den er sich im Schnitt behält, egal welcher Seite du zustimmst. Der Quotenschlüssel wird oft als Kehrwert ausgedrückt: 1 geteilt durch 1,0533 ergibt 94,94 Prozent. Das heißt, von jedem Euro, der in diesen Markt fließt, werden rund 94,94 Cent wieder ausgezahlt. Die restlichen 5,06 Cent bleiben beim Anbieter.
Für Moneyline-Märkte mit drei Ausgängen – also die 3-Way-Variante inklusive Unentschieden nach regulärer Spielzeit – rechnest du genauso, nur mit drei impliziten Wahrscheinlichkeiten statt zwei. Heim 2,30, Unentschieden 3,60, Auswärts 3,10 ergibt 43,48 plus 27,78 plus 32,26 gleich 103,52 Prozent. Kehrwert: 96,6 Prozent. Dieser Markt ist also leicht fairer bepreist als das 2-Way-Beispiel eben – nicht intuitiv, aber mathematisch eindeutig.
Wenn du dieses Werkzeug einmal verinnerlicht hast, siehst du Quoten anders. Du schaust auf eine 1,55er-Moneyline und weißt sofort, dass du rund 64,5 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit brauchst, damit die Wette neutral ist. Du schaust auf eine 4,20er-Underdog-Quote und weißt sofort, dass du 23,8 Prozent brauchst. Ab jetzt ist jede Debatte über „gute“ und „schlechte“ Quoten nicht mehr Geschmackssache, sondern eine Zahl – und in diesen Zahlen liegen die paar Prozentpunkte, die langfristig über Plus und Minus entscheiden.
95 bis 96 Prozent NHL gegen 88 bis 90 Prozent Fußball-Nebenmärkte
Hier kommt die Frage, die ich am liebsten stelle, wenn sich Fußballwetter über „die bessere Sportart“ streiten: Weißt du eigentlich, wie viel der Anbieter im Bundesliga-Torschützenmarkt behält? Die Antwort überrascht regelmäßig. Im Hauptmarkt – also bei simplen 1X2-Wetten auf den Ausgang eines Fußballspiels – liegt der Quotenschlüssel im deutschen Markt meist zwischen 93 und 95 Prozent. In den sogenannten Nebenmärkten, also bei Torschützen, Eckbällen, Spielerkarten und Halbzeittipps, fällt er typischerweise auf 88 bis 90 Prozent. Fünf bis acht Prozentpunkte mehr Marge, Monat für Monat, Wette für Wette.
Die NHL-Moneyline und der NHL-Totals-Markt arbeiten strukturell anders. Hier bewegen sich die Standardschlüssel bei 95 bis 96 Prozent – auch in den Nebenmärkten, also bei Drittel-Wetten und Puckline. Der Unterschied von vielleicht sechs Prozentpunkten klingt akademisch, ist aber der entscheidende Hebel. Wer einhundert Euro einsetzt, bekommt bei einem 95-Prozent-Markt im Schnitt 95 Cent pro Euro zurück. Bei einem 88-Prozent-Markt sind es 88 Cent. Über tausend Wetten mit je zehn Euro Einsatz entspricht das einem Unterschied von siebzig Euro reiner Gebühr – und das ist ein konservatives Beispiel.
Warum ist das so? Der einfache Grund ist Konkurrenz. Eishockey-Wetten sind im europäischen Markt ein Spezialsegment. Wer es anbietet, will es gegen die Konkurrenz ernsthaft verkaufen, und die einzige Möglichkeit, Eishockey-Affinität sichtbar zu machen, ist eine engere Marge. Fußball-Nebenmärkte funktionieren genau umgekehrt: Weil jeder Anbieter sie hat und weil die Masse der Wetter dort nach Bauchgefühl tippt, lässt sich eine höhere Marge durchsetzen, ohne dass der Markt reagiert. Eishockey-Wetter sind im Schnitt aufgeklärter, und das zwingt die Anbieter zu engeren Linien.
Der zweite Grund ist der Datenfluss. NHL-Daten sind sekundengenau verfügbar, standardisiert und liquide – Corsi, Fenwick, Expected Goals, Faceoff-Statistiken, alles wird an die Anbieter weitergegeben. Je besser die Daten, desto sicherer die Preismodelle, und je sicherer die Modelle, desto weniger Risikoaufschlag braucht der Anbieter. In Nebenmärkten des europäischen Fußballs ist der Datenfluss fragmentierter – also ist der Schutzaufschlag höher. Wer das verstanden hat, blickt auf deutsche Sportwettenangebote mit anderem Auge.
Regular Season gegen Playoffs – wo die Marge enger wird
Eine der Lehren, die ich im Frühjahr 2023 gezogen habe: Wer im April und Mai dieselbe Wettstrategie fährt wie im November, ignoriert eine strukturelle Verschiebung im Markt. In den NHL-Playoffs ändert sich nicht nur der Sport – er wird langsamer, taktischer, von Goalies dominiert. Es ändert sich auch das Quotenbild, und zwar auf eine Weise, die für langfristige Wetter relevant ist.
Der durchschnittliche Quotenschlüssel liegt in den Playoffs leicht höher als in der Regular Season. Das klingt kontraintuitiv, weil man denken würde, mehr Liquidität und mehr öffentliche Aufmerksamkeit müssten die Marge drücken. In der Praxis passiert das Gegenteil, aus drei Gründen. Erstens: Die Anbieter wissen, dass Casual-Wetter in den Playoffs einsteigen – Leute, die die reguläre Saison gar nicht verfolgt haben und jetzt auf „dieses berühmte Cup-Finale“ tippen. Diese Gruppe ist im Schnitt weniger preissensibel, und das erlaubt einen Aufschlag. Zweitens: Playoff-Spiele haben Best-of-Seven-Charakter, und die Linien müssen sich zwischen den einzelnen Spielen neu justieren, weil sich Serien-Stände, Verletzungen und Goalie-Rotationen ständig ändern. Dieser zusätzliche Aufwand wird eingepreist. Drittens: Die Volatilität einzelner Spiele ist höher, weil ein einziger Goalie-Hot-Streak eine ganze Serie kippen kann.
In konkreten Zahlen bedeutet das: Wo du in der Regular Season bei den meisten größeren Anbietern Moneylines mit 95 bis 96 Prozent Schlüssel bekommst, landest du in der ersten Playoff-Runde oft bei 94 bis 95 Prozent, und in der zweiten und dritten Runde kann es in Einzelfällen auf 93 Prozent sinken. Für den Stanley Cup Final bewegt sich der Markt dann wieder etwas zurück, weil die Liquidität zunimmt – aber nicht auf das Regular-Season-Niveau. Rund ein Prozentpunkt Unterschied klingt nach nichts, summiert sich aber bei vielen Wetten zu realem Geld.
Meine persönliche Konsequenz ist einfach. Ich reduziere meine Puckline- und Props-Aktivität in den Playoffs auf ein Minimum und konzentriere mich fast ausschließlich auf die Märkte mit der engsten Marge, also Moneyline und Totals. Wer tiefe Kenntnisse zu einzelnen Serien hat und dort einen echten Informationsvorsprung sieht, kann auch in den teureren Märkten spielen – aber ohne klaren Grund sollte man die schlechteren Preise nicht bezahlen, nur weil die Playoff-Atmosphäre einen dazu einlädt.
Wie sich Live-Quoten nach Tor, Penalty und Empty-Net bewegen
Wenn ich jemandem Live-Wetten erkläre, beginne ich immer mit einem Bild: Stell dir die Quote nicht als Zahl vor, sondern als ein Seil, das ständig gespannt und wieder losgelassen wird. Jedes Ereignis auf dem Eis zieht am Seil – und der Anbieter reagiert, indem er Quote aussetzt, neu berechnet und nach Sekunden wieder freigibt. Die Geschwindigkeit dieser Reaktion ist einer der versteckten Qualitätsmerkmale eines Anbieters.
Das wichtigste Ereignis ist das Tor. Ein Tor in einem ausgeglichenen Spiel verschiebt die Moneyline typischerweise um 15 bis 25 Prozentpunkte implizite Wahrscheinlichkeit. Aus einer Heim-Quote von 2,00 wird nach einem Heim-Tor eine 1,55 oder 1,50, abhängig davon, in welcher Minute das Tor gefallen ist. Je später im Spiel, desto stärker der Einfluss – das ist statistisch nachvollziehbar, weil einfach weniger Zeit für Ausgleich bleibt. In den ersten zehn Minuten verändert ein Tor die Linie nur moderat, in den letzten zehn Minuten kann ein einziger Treffer die Moneyline praktisch neutralisieren.
Das zweitwichtigste Ereignis ist die Strafe. Powerplay-Situationen in der NHL sind statistisch brisant, aber weniger brisant, als viele Einsteiger glauben. Die durchschnittliche Powerplay-Quote eines NHL-Teams liegt im Bereich von 20 bis 25 Prozent – das heißt, in 75 bis 80 Prozent der Powerplay-Minuten fällt kein Tor. Ein einfacher Minor-Penalty sorgt deshalb nur für eine moderate Quotenbewegung, vielleicht fünf bis acht Prozentpunkte implizite Wahrscheinlichkeit. Wird eine Doppelstrafe ausgesprochen oder ein 5-Minuten-Major, explodieren die Linien deutlich stärker, weil die mathematische Wahrscheinlichkeit eines Powerplay-Tors sprungartig steigt.
Das spannendste Ereignis für Live-Wetter ist allerdings die Empty-Net-Situation. Wenn der Goalie vom Eis geht, kippt die Quote nicht langsam, sondern sprunghaft – und zwar auf Basis einer klaren Statistik: In Empty-Net-Situationen erzielen die zurückliegenden Angreifer in 17 Prozent der Fälle ein Tor, kassieren aber in 44 Prozent der Fälle stattdessen einen Gegentreffer, und in 39 Prozent der Fälle passiert nichts. Diese Verteilung wird von den Anbietern direkt in die Live-Linie gegossen. Ein Anbieter, der in dieser Phase nicht schnell genug reagiert und eine „alte“ Quote stehen lässt, ist ein Anbieter, den erfahrene Live-Wetter sofort abgrasen.
Meine persönliche Erfahrung aus mehreren hundert Live-Sessions: Die Qualität der Anbieter zeigt sich nicht in Boni oder in der Breite des Angebots. Sie zeigt sich in der Latenz. Wer nach einem Tor zehn Sekunden zum Aussetzen braucht und dann für dreißig Sekunden offline bleibt, kommt im Live-Spiel nicht mit. Wer drei Sekunden aussetzt und zehn Sekunden später wieder offen ist, hat ein funktionierendes System. Dieser Unterschied ist wichtiger als jede Bonusmarketing-Aussage, und ich habe mehr als einmal Anbieter wegen zu langsamer Live-Reaktion komplett aus meiner Auswahl gestrichen.
Warum Wettlinien 2025/26 schlechter vorhersagen als früher
Hier kommt ein Punkt, den ich in den letzten zwölf Monaten immer häufiger in meine Analysen einbaue: Die NHL ist statistisch zufälliger geworden. Das ist keine These aus dem Stammtisch, sondern eine Beobachtung, die messbar ist – und sie verändert die Art, wie ich NHL-Quoten bewerte.
Die Analytikerin Sophia Chayka hat es im Rahmen einer Auswertung für die laufende Saison auf den Punkt gebracht: das Spiel sei in dieser Saison zufälliger geworden, der Fehlergrad der Wettlinien bei der Vorhersage von Spielsiegern sei kontinuierlich gestiegen, Spiele seien härter und härter vorherzusagen. Übersetzt heißt das: die Modelle der Anbieter sind gut, aber der Sport selbst wird widerspenstig.
Was steckt dahinter? Ich habe dazu keine wasserdichte Erklärung, aber ein paar solide Vermutungen aus der täglichen Beobachtung. Erstens: Die Liga ist offensiv enger zusammengerückt. Die besten und die schlechtesten Teams liegen nicht mehr so weit auseinander wie noch vor fünf Jahren, weil das Salary Cap und die Drafts die Talentverteilung gleichmäßiger gemacht haben. Zweitens: Goalies haben ein stärkeres Gewicht bekommen als je zuvor. Ein Starting Goalie auf 0,925 Save Percentage kann heute ein klar unterlegenes Team zum Favoriten-Killer machen, und diese Volatilität wird im Preismodell nicht mehr ausreichend abgefedert. Drittens: Die 3-gegen-3-Overtime hat sich als Zufallsgenerator etabliert – immer mehr Spiele gehen in die Verlängerung, und was dann passiert, ist fast schon ein eigener Sport mit eigenen Regeln.
Die praktische Konsequenz dieser Beobachtung: Wer heute strikt nach Form und Team-Rating wettet, fährt schlechter als noch vor drei Jahren. Das ist eine unangenehme Wahrheit, und sie hat mich zu einer konservativeren Einsatzstrategie gedrängt. Ich spiele weniger Moneyline-Favoriten und mehr Totals, weil Totals weniger von der Zufälligkeit einzelner Spielausgänge abhängen und mehr vom beobachtbaren Offensiv-Defensiv-Profil der beiden Teams. Und ich habe meine Einsatzhöhe bei knappen Spielen deutlich reduziert – Pick’em-Partien mit Moneylines um 1,90 gegen 1,90 sind in einer zufälligen Liga ein Minenfeld.
Wer diesen Zusammenhang nicht sehen will, wettet gegen den aktuellen Zustand des Sports. Ich habe ein Jahr gebraucht, um das selbst zu akzeptieren. Mein altes Modell funktionierte 2022 ausgezeichnet, lieferte 2024 mittelmäßige Ergebnisse und fühlte sich 2025 wie ein Münzwurf mit Bauchgefühl-Zuschlag an. Die Anpassung an eine zufälligere Liga ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist das einzige Zeichen, dass man noch zuhört.
Quotenvergleich in der Praxis: ein Beispielspiel Schritt für Schritt
Theorie ist nett, aber das, was wirklich hängenbleibt, sind gemeinsam durchgerechnete Beispiele. Nehmen wir ein hypothetisches Spiel aus der Regular Season 2025/26: Edmonton Oilers zuhause gegen die Detroit Red Wings. Beide Teams sind offensiv solide, Edmonton ist leichter Favorit, beide Goalies sind bestätigt. Ich zeige dir, wie ich persönlich durch die Quoten dieses Spiels gehen würde – anhand zweier unterschiedlicher Quotierungen, wie sie zur gleichen Zeit im Markt nebeneinander stehen können.
Schritt eins: die Moneyline. Die erste Quotierung zeigt Edmonton zu 1,65 und Detroit zu 2,30. Impliziert: 60,6 Prozent und 43,5 Prozent. Zusammen 104,1 Prozent, Quotenschlüssel 96,06 Prozent. Die zweite Quotierung liegt bei Edmonton zu 1,60 und Detroit zu 2,40. Impliziert: 62,5 Prozent und 41,7 Prozent. Zusammen 104,2 Prozent, Quotenschlüssel 95,97 Prozent. Auf den ersten Blick sind beide Märkte fast identisch, aber die erste Linie zahlt für einen Detroit-Sieg 2,30 statt 2,40 – das sind zehn Cent weniger pro Euro Einsatz. Wer Detroit tippen möchte, findet also in der zweiten Linie den besseren Preis. Wer Edmonton tippen möchte, ist in der ersten Linie besser aufgehoben.
Historisch gewinnt das Heimteam in der NHL rund 53 Prozent der Spiele. Edmonton hat als Favorit einen Aufschlag dazu, sagen wir auf 60 Prozent. Die 1,60 der zweiten Linie impliziert 62,5 Prozent – zu hoch. Die 1,65 der ersten Linie impliziert 60,6 Prozent – ziemlich genau auf der Linie. Für einen Edmonton-Tipp ist die erste Quotierung nicht nur besser bepreist, sie ist auch näher an der realen Wahrscheinlichkeit.
Schritt zwei: die Puckline. In der ersten Linie steht Edmonton minus 1,5 zu 2,25 und Detroit plus 1,5 zu 1,65. Das entspricht 44,4 Prozent und 60,6 Prozent, zusammen 105 Prozent, Schlüssel 95,24 Prozent. Die zweite Linie geht auf 2,15 und 1,70, also 46,5 und 58,8 Prozent, zusammen 105,3 Prozent, Schlüssel 94,97 Prozent. Für die Puckline ist die erste Quotierung minimal besser – und vor allem zahlt die 2,25 für minus 1,5 mehr als die 2,15, falls du tatsächlich auf einen dominanten Edmonton-Sieg tippst.
Schritt drei: das Total. Die Standard-Linie liegt je nach Markt bei 6,0 oder 6,5. Die erste Quotierung bietet Over 6,0 zu 1,95 und Under 6,0 zu 1,90. Die zweite Quotierung bietet Over 6,5 zu 1,90 und Under 6,5 zu 1,95. Das sind zwei strukturell andere Wetten. Der entscheidende Unterschied liegt im Under: Bei der 6,0-Linie reicht ein 3:3 nicht für Under, weil 6 als Push gewertet wird und der Einsatz zurückgeht. Bei der 6,5-Linie ist ein 3:3 ein klarer Under-Gewinn. Wer defensiv orientiert ist und auf Under tendiert, bekommt bei der 6,5-Linie bei annähernd gleicher Quote eine echte Absicherung gegen das 3:3-Ergebnis – das ist langfristig ein relevanter Unterschied, der in keiner oberflächlichen Bonus-Tabelle auftaucht.
Dieser Durchgang zeigt, was Quotenvergleich in der Realität bedeutet. Nicht: eine Quelle ist pauschal die beste. Sondern: Jede einzelne Wette hat ihren eigenen günstigsten Preis, und wer Linien systematisch vergleicht, holt sich ein bis zwei Prozentpunkte Rendite heraus, die der Durchschnittswetter einfach liegen lässt.
Value-Bet-Logik: wann eine Quote wirklich zu hoch ist
„Value“ ist eines der meistmissbrauchten Wörter in der Wett-Sprache. Ich habe Jahre gebraucht, um für mich selbst eine saubere Definition zu finden – und sie ist viel unromantischer, als viele Tipper-Communities es gerne hätten. Value existiert genau dann, wenn deine eigene geschätzte Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis höher ist als die implizite Wahrscheinlichkeit der Quote, die du bekommst. Punkt. Nichts anderes.
Das klingt trivial, ist aber in der Praxis anspruchsvoll, weil es voraussetzt, dass du eine eigene Wahrscheinlichkeitsschätzung hast – und nicht einfach die Quote des Anbieters umdeutest. Wenn du die Quote als deine Quelle nimmst und dann „Value“ erkennst, hast du nur die Quote zurückgerechnet. Das ist kein Edge, das ist Nachplappern.
Wie kommt man zu einer eigenen Schätzung? Für NHL-Spiele arbeite ich mit drei Datenpunkten. Erstens die Form der letzten zehn Spiele, gemessen an Corsi und Expected Goals, nicht an Siegen – weil der Heimvorteil in der NHL mit rund 0,28 Toren pro Spiel zu klein ist, um reine Siegquoten aussagekräftig zu machen. Zweitens der bestätigte Goalie-Stand: ein Starting Goalie auf 0,925 Save Percentage oder besser bedeutet eine messbar niedrigere Gegentorquote als ein Backup auf 0,905. Drittens das Head-to-Head-Profil der Teams in den vergangenen zwei bis drei Begegnungen, mit Fokus auf Schusszahl und nicht auf Endergebnis.
Aus diesen drei Punkten baue ich eine grobe Wahrscheinlichkeit. Nehmen wir an, meine Schätzung für einen Edmonton-Sieg gegen Detroit liegt bei 57 Prozent. Der Markt bietet Edmonton zu 1,65, also eine implizite Wahrscheinlichkeit von 60,6 Prozent. In diesem Fall ist die Quote nicht value-positiv – sie ist value-negativ, weil der Markt höhere Chancen einpreist als ich selbst sehe. Wenn der Markt dagegen Edmonton zu 1,85 anbietet, also 54,05 Prozent impliziert, liegt meine Schätzung von 57 Prozent klar darüber. Das ist eine value-positive Situation, und nur dann wäre der Einsatz rational zu rechtfertigen.
Die harte Wahrheit hinter dieser Methode: Die meisten Spiele bieten keinen Value. Das ist nicht Versagen, das ist Marktqualität. Die Anbieter haben gute Modelle und gute Daten, und die Gelegenheiten, bei denen deine Schätzung signifikant von ihrer abweicht, sind selten. Meine Faustregel: Wenn ich nicht mindestens drei Prozentpunkte Differenz zwischen meiner Schätzung und der impliziten Wahrscheinlichkeit sehe, lasse ich das Spiel aus. Alles andere ist Rauschen und landet früher oder später auf der falschen Seite der Varianz.
Offene Fragen zu NHL Quoten, die mir oft begegnen
Zum Abschluss die vier Fragen, die mir zu NHL-Quoten am häufigsten gestellt werden. Ich habe sie nicht chronologisch geordnet, sondern nach dem Prinzip, welches Missverständnis mich am meisten irritiert – beginnend mit dem größten.
Erstellt von der Redaktion von „SlapLine".