Corsi, Fenwick und xG für NHL-Wetter verständlich gemacht

Updated Juli 2026
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Drei Zahlenbalken mit den Bezeichnungen Corsi, Fenwick, xG als Bild für NHL-Analytics

Warum Advanced Stats die Lücke zwischen Eindruck und Quote füllen

Ich hatte einmal einen Kollegen, der das NHL-Analytics-Thema mit einem einzigen Satz abhakte: „Ich schaue das Spiel, ich brauche keine Tabellen.“ Drei Saisons später hat er angefangen, Corsi-Werte vor seinen Wetten zu prüfen – nicht weil ihn jemand überredet hätte, sondern weil er merkte, dass sein Bauchgefühl und die Quoten immer öfter auseinanderliefen.

Genau dort füllen Advanced Stats eine Lücke. NHL-Quotensetzer arbeiten mit Daten, die der durchschnittliche Fan nicht auf dem Schirm hat. Wer nur Toren und Tabellenplätzen folgt, wettet mit einer gröberen Auflösung als der Markt und zahlt diese Differenz als Marge. Corsi, Fenwick und Expected Goals sind keine Zauberformeln. Sie sind einfach die bessere Auflösung. In den neun Jahren, die ich in dieser Nische bin, habe ich keinen seriösen NHL-Analysten kennengelernt, der ohne diese Kennzahlen arbeitet. Und eine neue Untersuchung der Analytikerin Sophia Chayka zeigt, dass die NHL seit 2018 zufälliger geworden ist – Wett-Linien werden schlechter darin, Sieger vorherzusagen. Gerade deshalb sind robustere Underlying-Werte wichtiger geworden, nicht weniger.

Corsi: alle Schuss-Versuche

Corsi ist die einfachste der drei Kennzahlen und zugleich die mit der längsten Tradition. Sie misst, was ein Team produziert, und nicht nur, was davon beim Goalie ankommt.

Konkret zählt Corsi alle Schussversuche – auf das Tor, am Tor vorbei und von einem Verteidiger geblockt – während der Fünf-gegen-Fünf-Phasen. Der Sinn dahinter: Ein Team, das viel schießt, ist meistens das Team, das den Puck hat und den Gegner in die eigene Zone drängt. Corsi ist damit eine bessere Annäherung an Puckbesitz, als es die offizielle Shot-on-Goal-Statistik je sein kann. Die Kennzahl wird in Prozent angegeben: Ein Corsi-For-Prozent von 55 bedeutet, dass von allen Schussversuchen in einem Spiel 55 Prozent vom eigenen Team kommen, 45 Prozent vom Gegner. Ein CF-Wert über 52 gilt als solide, über 55 als sehr stark, unter 48 als besorgniserregend.

Für Wetten heißt das: Teams mit konstant hohem Corsi sind strukturell in der besseren Position, unabhängig davon, ob sie in der aktuellen Form gewinnen. Wenn ein Top-Corsi-Team gerade drei Spiele hintereinander verloren hat, ist die Form schlecht, die Basis aber nicht. Genau in solchen Fällen reagieren Quotensetzer oft übertrieben und verschieben die Linien zu weit – wer Corsi kennt, hat hier einen systematischen Leser-Vorteil. Die umgekehrte Situation ist genauso wichtig: Ein Team mit schwachem Corsi, das drei Spiele gewonnen hat, lebt wahrscheinlich gerade von Goalie-Form und Glück, und die nächsten Spiele werden statistisch schwerer fallen.

Fenwick: ohne geblockte Schüsse

Fenwick ist Corsi ohne geblockte Schüsse – und diese kleine Änderung hat einen ziemlich konkreten Grund, der selten erklärt wird.

Ein geblockter Schuss ist im klassischen Corsi ein Pluspunkt für das schießende Team. Aber: Blocken ist eine Fähigkeit. Teams, die viel blocken, zeigen damit eine defensive Kompetenz, die im reinen Corsi untergeht. Fenwick korrigiert das, indem es geblockte Versuche ausklammert. Die Kennzahl ist damit etwas näher an der tatsächlichen offensiven Qualität eines Teams, weil sie nur noch Schüsse berücksichtigt, die entweder am Goalie scheitern oder am Tor vorbeigehen. Ein Fenwick-For-Prozent wird analog zum Corsi berechnet, und die Schwellen liegen ähnlich – 52 solide, 55 stark, 48 schwach.

In der Praxis ist Fenwick weniger wichtig als Corsi, weil der Effekt subtil ist. Wer keine professionellen Betting-Modelle baut, kann in neun von zehn Situationen mit Corsi allein auskommen. Die eine Situation, in der Fenwick den Unterschied macht, ist die Bewertung von Teams mit besonders starker oder besonders schwacher Block-Kultur. Die Florida Panthers etwa blocken historisch viel – ihr Corsi-Wert sieht damit strukturell besser aus als der Fenwick-Wert. Wer nur den ersten kennt, überschätzt ihre Offensivleistung. Wer den zweiten kennt, sieht, was dahinter steht.

Eine zweite Anwendung von Fenwick findet sich in Situationen mit Puckverlust und Shot-Qualität. Weil geblockte Schüsse oft aus Verzweiflung oder aus schlechtem Winkel abgegeben werden, schließt Fenwick implizit einen Teil des Offensiv-Drucks aus, der statistisch weniger wertvoll ist. Wer Fenwick mit xG kombiniert – eine Rechnung, die professionelle Analyse-Tools automatisieren -, bekommt ein Bild davon, ob ein Team gerade viel oder gerade gefährlich schießt. Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge, und die Quotenmärkte gewichten sie nicht immer gleich.

xG im NHL-Wettalltag

Expected Goals, kurz xG, ist die modernste und in meinen Augen die wichtigste der drei Kennzahlen. Sie beantwortet die Frage, die weder Corsi noch Fenwick beantworten: nicht wie viel geschossen wird, sondern wie gefährlich die Schüsse sind.

Das xG-Modell weist jedem Schussversuch eine Tor-Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 1 zu, basierend auf Schussposition, Schusswinkel, Schuss-Typ, Spielsituation und Vorlagen-Kontext. Ein Schuss aus der Slot-Zone hat einen xG-Wert von 0,25 oder mehr, ein Schuss von der blauen Linie vielleicht 0,03. Die Summe der xG-Werte eines Teams über ein Spiel ergibt das Expected Goals For, und die Differenz zwischen xG-For und xG-Against ist eines der stabilsten Prognose-Werkzeuge, die es in der NHL gibt. Teams mit konstant positivem xG-Differential tendieren über Zeit zu mehr Siegen, auch wenn die aktuellen Resultate mal hinterherhinken. Umgekehrt: Teams, die ihre Toren-Realität deutlich über ihrem xG halten, leben auf geliehener Zeit.

Für Wetten bedeutet das konkret zwei Dinge. Erstens: xG ist besonders nützlich in Totals-Märkten. Wenn zwei Teams aufeinandertreffen, deren kombinierter xG-Durchschnitt deutlich über dem Sechs-Tore-Mittelwert der Liga liegt, ist die Über-Linie mathematisch attraktiver, als die Quote oft reflektiert. Zweitens: xG hilft, „Regression zur Mitte“ zu antizipieren. Wenn ein Goalie wochenlang überperformt und sein Team allein durch seine Rettungen gewinnt, ist irgendwann der Einbruch fällig – nicht weil der Goalie schlecht wird, sondern weil Glück endlich wird. Sophia Chaykas Analyse zur steigenden Zufälligkeit der NHL-Resultate unterstreicht genau das: Die kurze Stichprobe ist unzuverlässiger geworden, die lange Stichprobe bleibt verlässlich. Wer xG über 15 bis 20 Spiele mittelt, trifft bessere Prognosen als jeder Beobachter, der die letzten drei Spiele überbewertet. Für einen breiteren Blick auf die Quotenlogik und die Margenthematik, in die diese Kennzahlen eingebunden sind, lohnt sich der NHL-Quoten-Leitfaden.

Wo finde ich aktuelle Corsi-Werte kostenlos?
Kostenlose NHL-Analytics-Daten gibt es auf mehreren öffentlichen Seiten, die von Hobby-Analysten betrieben werden. Die üblichen Anlaufstellen bieten Corsi, Fenwick und xG pro Team und pro Spieler in aktueller und historischer Form. Eine verlässliche Recherche erfordert meistens zwei Quellen parallel, weil unterschiedliche Modelle leicht abweichende xG-Werte berechnen können. Wichtig ist, dieselbe Quelle über Zeit zu verwenden, damit du Trends statt methodisch bedingter Unterschiede siehst.
Ist Corsi noch aktuell oder hat xG es abgelöst?
Beide Kennzahlen sind weiterhin relevant, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen. Corsi misst Puckbesitz und Schussvolumen, xG misst die Qualität der Schüsse. Ein vollständiges Bild eines Teams verlangt beide Kennzahlen. In der professionellen Analyse ist xG heute tatsächlich die wichtigere Zahl, weil sie die feinere Auflösung bietet, aber Corsi bleibt als stabiler Puckbesitz-Indikator gerade für Langzeitvergleiche und Playoff-Analysen unverzichtbar.

Verfasst vom Team von „SlapLine".