NHL Overtime- und Shootout-Wetten: Regeln, Quoten, Strategie

Updated Juli 2026
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Ein einzelner Eishockey-Spieler fährt während eines Shootouts allein mit dem Puck auf das Tor zu

Warum Overtime im NHL-Wettmarkt ein Sonderfall ist

Ein Leser schrieb mir einmal: „Ich habe auf die Puckline gewettet und gewonnen, aber die Wette wurde als verloren gewertet. Wie kann das sein?“ Die Antwort lag in einem einzigen Feld der Wettregeln, das er nicht gelesen hatte: die Behandlung der Overtime.

Overtime im NHL-Wettmarkt ist ein Sonderfall, weil sie gleichzeitig zur Abrechnung gehören kann und nicht gehören muss. Das hängt vom Markt ab, vom Anbieter und manchmal sogar vom Einzelspiel. Während in europäischen Fußballwetten die Regelung „90 Minuten plus Nachspielzeit“ fast überall standardisiert ist, hat die NHL drei Spielphasen – reguläre 60 Minuten, 3-on-3-Overtime, Shootout – und jede einzelne wird in den Wettmärkten anders behandelt. In meinen neun Jahren habe ich mehr Missverständnisse um dieses Thema gesehen als um jeden anderen Einzelaspekt des NHL-Wettens.

3-on-3-Overtime und ihre Wettlogik

Seit der Saison 2015/16 spielt die NHL in der regulären Saison Overtime im 3-on-3-Format für bis zu fünf Minuten. Drei Feldspieler gegen drei Feldspieler plus Goalies, und der erste Treffer entscheidet. Das klingt wie eine kleine Regeländerung und hat den Wettmarkt grundlegend verändert.

Die Entscheidungswahrscheinlichkeit in der 3-on-3-Overtime ist deutlich höher als im alten 4-on-4-Format. Rund zwei Drittel der Spiele, die überhaupt in die Overtime gehen, werden dort entschieden, ohne dass ein Shootout nötig wird. Für den Wettmarkt hat das zwei Konsequenzen. Erstens: Der Heimvorteil in der Overtime ist erheblich – 9,6 Prozent häufiger gewinnen Heimteams dort im Vergleich zu ihren Gastgegnern, viel mehr als der reguläre 53-Prozent-Mittelwert. Wer auf ein enges Heimspiel mit Overtime-Tendenz wettet, bekommt in der Puckline-Logik einen strukturellen Vorteil, den viele Quotensetzer nicht voll einpreisen. Zweitens: Tore in der Overtime zählen in fast allen Märkten mit, die „inklusive OT“ ausgewiesen sind, also Moneyline, Puckline und Totals im Standard-Katalog. Ausnahmen gibt es dort, wo explizit „Regulation Time“ oder „60 Minuten“ im Markt-Namen steht.

Die Mechanik der 3-on-3 selbst ist ebenfalls wettrelevant. Weil drei Spieler gegen drei auf dem Eis stehen, entstehen massiv offene Räume. Teams mit schnellen, techniksicheren Center gewinnen hier überproportional häufig – Edmonton mit Draisaitl und McDavid ist das offensichtliche Beispiel, Colorado mit Nathan MacKinnon ein anderes. Wer diese Teams im Prematch-Markt unterstützt, wenn das Spiel auf eine enge Konstellation zusteuert, spielt die Overtime implizit mit. Die Quotensetzer wissen das natürlich, aber sie streuen den Effekt über die gesamte Moneyline, ohne ihn in separate Overtime-Märkte auszulagern. Genau dort entsteht Raum für Value.

Shootout-Markt und Coin-Flip-Charakter

Wenn die 3-on-3-Overtime keinen Sieger hervorbringt, geht es ins Shootout. Hier endet die Strategie und beginnt die Lotterie – und genau deshalb ist der Shootout-Markt einer der trickreichsten in der gesamten NHL-Wettwelt.

Der Heimvorteil im Shootout liegt bei nur 2,2 Prozent – praktisch ein Coin-Flip. Eine umfassende Auswertung von 317 analysierten Shootouts bestätigt das: Wenn ein Spiel bis zur dritten Entscheidungsebene reicht, ist fast alles gleich verteilt. Das macht explizite Shootout-Wetten zu einem Markt, in dem weder Form noch Heimvorteil noch Tabellensituation systematisch Vorteil schafft. Wer auf einen Sieg im Shootout wettet – manche Anbieter bieten genau diesen Markt separat an –, wettet im Grunde auf einen Würfelwurf. Ich persönlich berühre diese Wetten nicht. Sie sind kein Handwerk, sondern Unterhaltung, und sie zu rechtfertigen ist schwer.

Interessanter ist der indirekte Umgang mit Shootouts. Wer systematisch Unter-Wetten auf Totals platziert, muss wissen, dass ein Shootout-Tor für die Total-Wertung zählt – aber nur ein einziges, nämlich der Siegtreffer. Wenn ein Spiel 2:2 in die reguläre Zeit, 2:2 in die Overtime und 3:2 ins Shootout geht, ist das offizielle Endergebnis 3:2. Fünf Tore in der offiziellen Total-Spalte, nicht vier plus Shootout-Serie. Diese Regel sieht harmlos aus, kann aber in engen Unter-Wetten auf 5,5 den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust machen.

Wer sich fragt, warum es das Shootout überhaupt noch gibt, wenn die 3-on-3-Overtime bereits zwei Drittel der Entscheidungen liefert: Das ist ein historisches Zugeständnis an die Unterhaltungsdynamik der Liga. Vor 2005 gab es in der regulären Saison Unentschieden, und die wurden als ermüdend für das Publikum empfunden. Die Einführung des Shootouts hat diese Unentschieden beseitigt, und auch die 3-on-3-Regel von 2015 konnte den Shootout nicht ganz ersetzen – in rund 8 Prozent aller NHL-Spiele endet die Saison-Entscheidung immer noch nach einer Serie von Einzelschüssen. Für Wetter heißt das: Plane den Shootout-Pfad immer mit, auch wenn er selten wird.

„Inklusive OT“ vs. „60 Minuten“ – das feine Detail

Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Wett-Neulinge straucheln. Zwei scheinbar ähnliche Märkte, ein entscheidendes Wort, völlig unterschiedliche Abrechnungen.

Die häufigste Variante bei europäischen Sportwetten-Anbietern ist die Moneyline „inklusive Overtime und Shootout“. Diese zahlt aus, wenn das Team am Ende der offiziellen Spielregelung als Sieger geführt wird – egal, ob der Sieg in der regulären Zeit, der Overtime oder im Shootout zustande kam. Das ist die intuitive Variante für die meisten Wetter und auch diejenige, die in der Default-Ansicht der Anbieter steht. Daneben existiert jedoch ein zweiter Markt, der sich „Regulation Time“, „60 Minuten“ oder „Sieger nach regulärer Spielzeit“ nennt. Dieser Markt kennt drei Ausgänge: Heimsieg, Auswärtssieg, Unentschieden nach 60 Minuten. Die Quoten sind ganz andere – der Unentschieden-Ausgang bekommt typisch eine Quote zwischen 3,20 und 3,80, weil in rund 23 Prozent aller NHL-Spiele nach 60 Minuten das Unentschieden steht und die Verlängerung nötig wird.

Der typische Fehler: Wer auf die 60-Minuten-Moneyline setzt, weil die Quote höher ist, übersieht, dass er damit implizit gegen die Overtime spielt. Ein Team kann regulär führen, dann ein später Ausgleich kassieren, in der Overtime gewinnen – und die 60-Minuten-Wette ist trotzdem verloren. Spieler, die die Unterscheidung zum ersten Mal lesen, beschweren sich regelmäßig beim Anbieter, dass „ihr Team doch gewonnen hat“. Der Anbieter hat recht, die Wettbedingung war klar. Der feine Unterschied zwischen den beiden Märkten ist einer der Gründe, warum ich jedem neuen Leser empfehle, zuerst die Wettregeln eines Anbieters komplett zu lesen, bevor der erste Tipp platziert wird. Für den Einstieg in die anderen NHL-spezifischen Wettarten und ihre OT-Regeln ist der Überblick zu NHL-Wettarten die logische Anlaufstelle.

Zählt die Moneyline inklusive Overtime?
Bei den meisten deutschen lizenzierten Anbietern ist die Moneyline standardmäßig inklusive Overtime und Shootout gemeint. Das bedeutet, der Gewinner nach der offiziellen Schlussregelung des Spiels ist der Sieger im Sinne der Wette. Wer explizit nur auf den Sieger nach 60 Minuten wetten will, muss den separaten Markt Regulation Time oder 60 Minuten wählen – dort ist zusätzlich der Ausgang Unentschieden möglich, was die Quoten strukturell verändert.
Wie werden Drittel-Wetten bei OT abgerechnet?
Drittel-Wetten beziehen sich immer auf die drei regulären Spielabschnitte von je 20 Minuten. Tore, die in der Overtime oder im Shootout fallen, zählen nicht zum dritten Drittel, sondern werden statistisch separat erfasst. Wer also auf das dritte Drittel wettet und das Spiel 1:1 nach 60 Minuten steht, wird die Drittel-Wette mit dem Ergebnis des dritten Abschnitts abgerechnet bekommen – unabhängig davon, was in der anschließenden Overtime passiert.

Verfasst vom Team von „SlapLine".